Nachruf auf Dr. med. Rudolf Ehmann und Frau Dr. med. Adelheid Grüniger

Am 8. April 2019 verstarb im Alter von 77 Jahren unser ehemaliger Chefarzt, Lehrer, Freund und Vorbild Dr. Rudolf Ehmann. Er war von 1984-2006 Chefarzt im Kantonsspital Nidwalden, Schweiz, und leitete dort die Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe. Nur wenige Wochen später, am 4. Mai 2019, verstarb auch seine langjährige Oberärztin, Frau Dr. Adelheid Grüniger, die die Abteilung entscheidend mittrug, im Alter von 82 Jahren.

Dr. Ehmann war ein hocherfahrener Geburtshelfer, ausgezeichneter Kliniker und versierter Operateur. Als Führungskraft zeichnete ihn insbesondere seine Weisheit und Besonnenheit, seine vorbildliche Selbstdisziplin und eine große Motivation, Wissen und Können weiterzugeben, aus. Diese seine letztgenannte Eigenschaft ist der Grund, warum dieser Nachruf von Unterzeichnenden aus anderen Ländern und weiter Ferne verfasst wird.

Man darf mit Recht fragen, was dazu geführt hat, dass Studierende und Ärzte aus mehreren Ländern das doch im Verhältnis zu anderen Spitälern kleine Kantonspital in Nidwalden aufgesucht haben, um hier wenigstens einen Teil ihrer Ausbildung zum Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe verbringen zu können. Die Antwort ist einfach – Dr. Ehmann war weit mehr als ein Chefarzt, Frauenarzt und Ausbilder. Neben höchsten fachlichen Ansprüchen lebte er auch einen ethischen Anspruch vor. Für ihn als Frauenarzt und Katholik war es oberste Priorität, dem ungeborenen Leben, welches seine Patientinnen in sich trugen oder zu tragen bestimmt waren, mit der höchsten Achtung zu begegnen. Er praktizierte ein Ideal, das ungeborenes Leben in allen Phasen der Existenz, d.h. von der Konzeption an bis zur Geburt, schützte und unterstützte. Dies bedeutete, dass er in all seinem Tun die reproduktive Gesundheit seiner Patientinnen immer berücksichtigte in Beratung, Therapie und konkreter Entscheidung am Krankenbett oder Operationssaal. Somit war es undenkbar, dass er zur Fortpflanzung notwendige Organe ohne medizinischen Grund ihrer Funktion beraubte. Potentiell frühabortive Maßnahmen, die den Embryo in seinen frühesten Entwicklungsstadien beeinträchtigen könnten, wurden von ihm niemals rezeptiert oder angewendet. Eher hätte er sein eigenes Leben gegeben, als dass er das eines ungeborenen Menschen getötet oder dessen Tötung veranlasst hätte. Diese seine konsequente Haltung, die heutzutage etablierte Methoden der Kontrazeption und des Schwangerschaftsabbruches nicht auf seiner Agenda erscheinen ließen, weckte durchaus auch Widerstand. Ohne hart, ungerecht oder emotional zu werden, erklärte und verteidigte er mit durchdachtem und intellektuellem Wesen seine Grundhaltung. Diese basierte nicht auf einer subjektiven Meinung, sondern resultierte aus einer intensiven wissenschaftlichen und religiösen Auseinandersetzung, insbesondere die hormonale Kontrazeption betreffend. Seine Vortragstätigkeit auf bioethischen Kongressen, die Mitgliedschaft in Pro-Life-Organisationen und zahlreiche Buchbeiträge ermöglichten es einem breiten Publikum, seine Schlussfolgerungen nachzuvollziehen und wertzuschätzen. Aus der Sicht angehender Frauenärzte erfuhren wir in seiner Schule, wie man gleichzeitig ein Arzt-Sein auf hohem fachlichem Niveau, in Kollegialität und Patientennähe und eine konsequente ethische Grundhaltung leben kann.

Frau Dr. Adelheid Grüniger war über viele Jahre nicht nur seine Oberärztin, sondern auch seine rechte Hand im Hinblick auf sein großes Lebenswerk. Sie selbst sah ihre Aufgabe als eine „Wegbereitung“ für das ethische Anliegen Dr.Ehmanns an, dessen hohen Anspruch sie uneingeschränkt teilte und unterstützte. Mit ihrem fachlichen Wissen und Können, ihrer Genauigkeit und ihrem Interesse an Personen, Vorgängen und Fachliteratur, arbeitete sie ihm permanent zu. Mit dieser praktischen Unterstützung, durch ihre Herzlichkeit und Wärme und nicht zuletzt durch ihr Gebet trug sie Dr. Ehmann und seine Abteilung über etliche Jahre aktiv und nach ihrem beruflichen Ausscheiden im Jahr 1993 auch im Hintergrund ganz wesentlich mit. Nicht zufällig werden es die zeitlichen Umstände gefügt haben, dass dieser Nachruf, der zunächst nur Dr. Ehmann gewidmet war, nun beide Persönlichkeiten ehren darf.

Mit fortdauerndem Dank und im Namen vieler weiterer KollegInnen

Priv.-Doz. Dr. med. Angela Köninger, Deutschland
Dr. med. Almut Hefter, Deutschland
Dr. med. Irene Hübinger, Liechtenstein
Dr. med. Brigitte Maria Lautenschlager, Schweiz
Priv.-Doz. Dr. med. Peter Kern, Deutschland
Dr. med. Manuel Mariotta, Schweiz
Dr. Fulgence Rubayiza, Ruanda

Kontakt: angela.koeninger@uk-essen.de

Pressemitteilung zur Podiumsdiskussion an den Müchener Kammerspielen mit Kristina Hänel und Andreas Stapf am 7.6.2019

Deutschlands bekannteste Abtreibungsärzte bekommen ein Podium in den Münchener Kammerspielen – am morgigen Freitag reden sie über den § 219a StGB. Im Ankündigungstext heißt es: „Gemeinsam sprechen sie mit der Autorin und Aktivistin Sarah Diehl über die reproduktiven Rechte von Frauen und Menschen mit Uterus.“  Andersdenkende sind bei dieser Runde unerwünscht. Wie hoch der Unterhaltungswert der Beteiligten ist, mag dahin gestellt sein, dem Bildungsauftrag eines Theaters kommt jedoch das Podiumsgespräch ganz sicher nicht nach: es ist nichts anderes zu erwarten als die Inszenierung von Positionen, die bereits sattsam bekannt sind. 
Frau Hänel und Herr Stapf verdienen ihr Geld nach eigener Aussage mit töten: „Auch wenn ich persönlich denke, dass der Begriff Töten zum Thema Abtreiben dazu gehört. Ein Embryo, eine Leibesfrucht, ist für mich etwas Lebendiges, und nach der Abtreibung lebt es nicht mehr“, so Kristina Hänel in ihrem Buch „Die Höhle der Löwin“. Auf ihrer Homepage sagt sie dagegen, bei einer Abtreibung würde „Schwangerschaftsgewebe“ abgesaugt.
Wer sagt, er möchte Frauen sachlich informieren, sollte stets die wissenschaftlich korrekten Fachbegriffe wie „Embryo“ oder einfach „Mensch“ verwenden, keine sachlich falschen Formulierungen. Er sollte Frauen darüber informieren, dass bei einer Abtreibung ein kleiner Mensch mit Herzschlag, voll ausgebildeten Gliedmaßen und Organen stirbt – und kein „Gewebe“. Hier gäbe es jede Menge Möglichkeiten, Frauen zu informieren. Er sollte Frauen die Wahrheit sagen.

Weder Frau Hänel noch Herr Stapf haben einen Doktortitel oder eine Facharztausbildung. Dennoch sollten sie als Ärzte über diese wissenschaftlichen Fakten informiert sein und sie weder den Frauen, die sich in ihre Praxen begeben, noch der Öffentlichkeit vorenthalten. Wer Frauen wirklich helfen will, sagt ihnen die Wahrheit über Abtreibungen. Wer Frauen wirklich helfen will, tötet nicht ihre Kinder, sondern reicht ihnen die Hand.
Die Verantwortlichen der Münchener Kammerspiele haben soviel Respekt vor Menschen mit Uterus, dass sie ihnen sogar eine extra Anrede widmen, für den Fall dass diese sich nicht als Frau fühlen. Aber sie haben keinerlei Respekt, Achtung oder auch nur Mitleid mit den Menschen, die sich in einem Uterus befinden. „Die Frauen, die in Frau Hänels oder Herrn Stapfs Praxis gehen, kommen mit denselben Problemen wie vorher wieder heraus, nur ohne ihre Kinder: Laut Frau Hänels eigener Beschreibung in „Die Höhle der Löwin“ sind es Frauen, deren Männer verschwunden sind oder die einen Seitensprung vertuschen wollen (das Problem ist also die Partnerschaft, nicht das Kind), oder auch Frauen, deren Familie keine Mädchen haben will (das Problem ist die frauenfeindliche Einstellung, nicht das ungeborene Mädchen)“, so die Bundesvorsitzende der ALfA, Cornelia Kaminski, am Donnerstag in Fulda. „Zunächst spricht man Menschen ihr Menschsein ab – entgegen aller wissenschaftlichen Erkenntnisse. Und dann nimmt man sich das Recht heraus, sie zu töten. Mit Kultur hat das sehr wenig zu tun.“

Warum ein aus Steuermitteln finanzierter Kulturbetrieb der verfassungs- und grundgesetzwidrigen Einstellung von Stapf und Hänel ein Podium bietet, bleibt das Geheimnis des Münchener Kulturreferats. 

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Die Aktion Lebensrecht für Alle e.V. ist eine der größten Lebensrechtsorganisationen in Europa und beteiligt sich seit Jahrzehnten auf vielfältige Weise am politischen Meinungsbildungsprozess. Sie tritt für das uneingeschränkte Lebensrecht jedes Menschen ein – ob vor oder nach der Geburt, mit oder ohne Krankheit und Behinderung, alt oder jung. Die ALfA hat rund 11.000 Mitglieder und ist Mitglied im Bundesverband Lebensrecht (BVL) e.V.

V.i.S.d.P.:

Cornelia Kaminski
Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle, ALfA e.V.
cornelia.kaminski@alfa-ev.de

von Alexandra Maria Linder M.A., Vorsitzende des Bundesverbands Lebensrecht

Eine arme Frau, die zu Unrecht vor Gericht gezerrt wird, wo sie doch den Frauen nur helfen will? Eine diffamierte Retterin, die Auszeichnungen verdient?

  • Kristina Hänel vertreibt ein Werbeblatt für ihre Abtreibungseinrichtung, in dem ausschließlich von „Schwangerschaftsgewebe“ und „Fruchtblase“ die Rede ist. Des weiteren spricht sie im Rahmen der Beratungsregelung von einem „legalen Schwangerschaftsabbruch“. Außerdem weist sie darauf hin, dass man eine Kostenübernahmeerklärung oder Bargeld mitbringen muss. 
  • Wer sagt, er möchte Frauen sachlich informieren, sollte die wissenschaftlich belegten, korrekten Fachbegriffe wie „Embryo“, „vorgeburtliches Kind“ oder „Mensch“ verwenden, keine verschleiernden oder sachlich falschen Begriffe und Formulierungen.
  • Zitat aus ihrem Buch Die Höhle der Löwin: „Auch wenn ich persönlich denke, dass der Begriff Töten zum Thema Abtreiben dazu gehört. Ein Embryo, eine Leibesfrucht, ist für mich etwas Lebendiges, und nach der Abtreibung lebt es nicht mehr.“ (S. 206)
  • Wer Frauen im Schwangerschaftskonflikt ernstnimmt, sagt ihnen die ganze Wahrheit. Keine Frau im Konflikt macht sich diese Entscheidung leicht und jede Frau muss genau wissen, was bei einer Abtreibung geschieht und welche Folgen sie auch für sie selbst haben könnte. Außer direkten physischen Komplikationen findet sich auf Frau Hänels Werbeblatt nichts dazu.
  • Frau Hänel sagt, mit einer ausgetragenen Schwangerschaft könne man mehr Geld verdienen als mit einer Abtreibung. Das ist das sachlich korrekt, betrifft sie aber nicht. Denn Frau Hänel hat keine gynäkologische Ausbildung und keinen Doktortitel. Vor allem wegen der fehlenden Fachausbildung würden wohl wenige Frauen zu Geburtsvorbereitung und pränatalen Untersuchungen in diese Praxis gehen.
  • Frau Hänel betont, sie möchte Frauen informieren. Wenn das ihr Anliegen ist, könnte sie jeden Tag eine Informationsseite im Internet schalten oder Bücher und Artikel schreiben. Es dürfte dort nur nicht erwähnt werden, dass sie Geld mit Abtreibungen verdient. Solche Informationen von ihrer Seite sind nicht zu finden.
  • 6.000,- Euro Strafe muss Frau Hänel zahlen, weil sie trotz einer ersten Verurteilung vor einigen Jahren notorisch weiter Werbung für ihre bezahlte Tätigkeit als Abtreibungsanbieterin gemacht hat. Bei einem Durchschnittspreis von etwa 500,- Euro pro Abtreibung ist diese Summe unschwer wieder verdient.
  • Die Frauen, die in Frau Hänels Praxis gehen, kommen mit denselben Problemen wie vorher wieder heraus, nur ohne ihre Kinder: Laut ihrer eigenen Beschreibung sind es Frauen, deren Männer verschwunden sind (das Problem ist also die Partnerschaft, nicht das Kind), Frauen, die einen Seitensprung vertuschen wollen (das Problem ist also die Partnerschaft, nicht das Kind), Frauen, deren Familie keine Mädchen haben will (das Problem ist die familiäre Einstellung und Frauenfeindlichkeit, nicht das Mädchen, das dennoch von Frau Hänel aufgrund des Geschlechtes abgetrieben wird).
  • Die „Diskussion“ in den Münchener Kammerspielen am 07.06. zeigt einmal mehr, worum es eigentlich geht: um Ideologie und um Geld.
  • Zitat aus Die Höhle der Löwin: „Die Fähigkeit, abtreiben zu können, wann immer wir wollen, gehört zum Frauenleben dazu.“

Wer Frauen wirklich helfen will, bewahrt sie vor Schaden und bereichert sich nicht an ihrer Konfliktlage. Wer Frauen wirklich helfen will, löst ihre tatsächlichen Probleme und beseitigt nicht ihre Kinder. Wer Frauen wirklich helfen will, bietet ihnen nicht die Tötung ihrer eigenen Kinder als Lösung an. Abtreibung ist gegenüber der Frau wie dem Kind menschenverachtend. Abtreibung ist eine Kapitulation.

04.06.2019

Samstag, 25. Mai 2019, 09456 Annaberg-Buchholz

Liebe Freunde des Lebens und der Familie,

am Samstag, dem 25. Mai 2019, findet zum 10. Mal in 09456 Annaberg-Buchholz der SCHWEIGEMARSCH FÜR DAS LEBEN statt. Start ist 14:30 Uhr gegenüber Erzgebirgsklinikum. Die zentrale Forderung der Abschlußkundgebung im Stadtzentrum lautet:

„HILFE ZUM LEBEN STATT HILFE ZUM TÖTEN“.

Mehrere Redebeiträge werden dies untersetzen, darunter auch Dr. Theo Lehmann, und Liedermacher Jörg Swoboda wird musikalisch begleiten.

Der Veranstalter Lebensrecht Sachsen e.V. ruft auf:
„Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland heißt es: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“ (Art. 2,2). Und weiter „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ (Art. 1,1). Somit gilt für alle Menschen, auch für ungeborene, ein Grundsatzrecht auf Schutz, das wir als Verband Lebensrecht Sachsen e.V. unterstützen.

Wer in schwarz-weißer Kleidung teilnimmt, setzt ein besonderes Zeichen für die Trauer um die vielen im Mutterleib getöteten Kinder und für deren Unschuld. Setzen auch Sie mit Ihrer Teilnahme ein Zeichen gegen das in Politik und Gesellschaft akzeptierte Unrecht an wertvollem Leben.“

Der Schweigemarsch ist in den letzten Jahren immer weiter gewachsen, zuletzt kamen etwa 700 Teilnehmer. Der Schweigemarsch ist eine offene, überkonfessionelle und überparteiliche Veranstaltung, die von Christen organisiert und getragen wird und an der jeder teilnehmen kann, gern mit der ganzen Familie, dem das Recht auf Leben wichtig ist.

Mit freundlichen Grüßen,
Daniel Kästner

Landesvorsitzender
CDL Sachsen
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Bei der geplanten Aufnahme der nicht-invasiven vorgeburtlichen Gentestung in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen werden die Argumente der Lebensrechtsbewegung von ungewohnter Seite übernommen. Gastkommentar von Paul Cullen

Berlin (kath.net) Es ist schon ein seltsames Gefühl. Seit Jahren klagt die Lebensrechtsbewegung in Deutschland das Ausselektieren von behinderten Menschen vor ihrer Geburt scharf an. Dabei ging es uns stets um das Grundsätzliche: niemandem darf wegen ihrer Gebrechlichkeit oder Andersartigkeit das Recht auf Leben abgesprochen werden. Die Methode, ob Ultraschalluntersuchung, sogenannter „Triple-Test“ oder Gewebebiopsie, war dabei stets zweitrangig. 

Auch haben wir bei der Entwicklung von kostengünstigen sogenannte NIPD-Tests, die mittels einer einfachen Blutuntersuchung der Mutter die genetische Ausstattung des noch-nicht geborenen Kindes bestimmen lassen, von einer neuen Qualität gewarnt. Zum einen wird hiermit zum ersten Mal die lückenlose Rasterfahndung auf Abweichungen wie das Down-Syndrom technisch und wirtschaftlich möglich. Zum anderen ist das derzeit verfügbare Spektrum der getesteten Abweichungen erst der Anfang: mit zunehmender Verfeinerung der Technik werden zunächst Erkrankungen wie erblicher Muskelschwund (Muskeldystrophie), Bluterkrankheit (Hämophilie) oder Mukoviszidose, die durch Defekten in einzelnen Genen verursacht werden, erkennbar werden; danach dürften Untersuchungen auf sogenannte Risikogenen für Erkrankungen wie Zucker-Diabetes, Fettstoffwechselstörungen oder Brustkrebs an der Reihe sein.

All dies half nichts. Auch Hinweise auf den offensichtlichen Widerspruch zwischen der Forderung nach Inklusion einerseits und der nach Selektion andererseits, oft aus derselben politischen Ecke, fielen auf taube Ohren. Nichts, was das vermeintliche „Recht“ einer schwangeren Frau, über Leben oder Tod ihres noch-nicht geborenen Kinds zu entscheiden in Frage stellen könnte, dürfte im juste Milieu der Talkshow-Gesellschaft Fuß fassen.

Dann kam die Diskussion um die Aufnahme des NIPD in das Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen, und auf einmal war der Knoten geplatzt. Seltsam – nicht die Sache an sich, sondern erst seine Verortung im wirtschaftlichen Koordinatensystem der materialistisch Denkenden, führte zur Aktivierung der Moral. Ähnlich war übrigens in der Debatte um assistierte Sterbehilfe zu beobachten, wo nicht die Sterbehilfe an sich, sondern erst seine Kommerzialisierung, Empörung hervorrief.

So ist auf der einen Seite die radikale – man möchte fast sagen rabiate – Haltung der Freien Demokraten (FDP) sichtbar geworden, die mit dem Bild eines Babys mit Down-Syndrom im Arm seiner Mutter auf Twitter für dessen Ausselektieren auf Kassenschein warben. Auch der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland und selbst der Vorsitzender des Deutschen Ethikrats Prof. Peter Dabrock warben für die Kassenzulassung, Dabrock mit dem verräterischen Argument, man dürfe „kein Exempel auf Kosten der Ärmeren statuieren“. 

Auf der anderen Seite erhielten die Lebensrechtler Flankenschutz von ganz ungewohnter Seite. So warnte beispielsweise Prof. Alexander Scharf, Präsident des Berufsverbandes der niedergelassenen Pränatalmediziner, eines Berufzweigs also, dessen Geschäftsmodell gleichsam auf die vorgeburtliche Diagnostik basiert, in der „Welt am Sonntag“ am 7. April, dass der NIPD-Test auf Down-Syndrom nur ein „Türöffner“ sei, Anfang einer Entwicklung also, an deren Ende man „schnell beim Designerbaby“ ist. 

Noch interessanter war ein Artikel der feministischen Journalistin Kirsten Achtelik, laut eigener Webseite eine bekennende Kritikerin der „Abtreibungsgegner*innen und „Lebensschutz“-Bewegung“, in der Januar Ausgabe der Zeitschrift „Der Hausarzt“. Achtelik kritisiert, die Finanzierung des NIPD-Tests durch die Krankenkasse fordere die „Angst vor Behinderung“, und schüre die „behindertenfeindliche und ableistische“ Vorstellung, diese sei mit „Leiden und Schmerzen für alle Beteiligten verbunden“. Auch haben im Oktober 2018 mehr als hundert Parlamentarier von Union, SPD, FDP, Grünen und Linkspartei vor möglichen Folgen einer Kostenübernahme des NIPD-Tests durch die Krankenkassen gewarnt: „wir gehen … davon aus, dass sich immer mehr werdende Eltern für solche Tests entscheiden werden, sollten sie als Regelversorgung etabliert werden und damit diejenigen immer stärker unter Rechtfertigungsdruck geraten, die sich gegen einen Test und gegebenenfalls für die Geburt eines Kindes mit Down-Syndrom entscheiden“, heißt es in ihrem Positionspapier.

„Ihr hättet uns fragen könne, das haben wir schon immer gesagt“, könnte der Lebensrechtler vor so viel unerwarteter Zustimmung denken. So verständlich diese Reaktion wäre, so unangebracht wäre sie auch. Wir sollten froh sein, wenn das Bedenken gegen diese zutiefst menschenfeindliche Technologie sich in der Gesellschaft breit macht, auch wenn es durch die Hintertür des wirtschaftlichen Denkens hineinschleichen musste.

Prof. Dr. Paul Cullen ist der Vorsitzende des Vereins „Ärzte für das Leben“.

Veröffentlicht am 11.04.2019 auf www.kath.net

Am heutigen Donnerstag hat der Bundestag darüber debattiert, ob vorgeburtliche Bluttests künftig von den Krankenkassen bezahlt werden sollen. Eine endgültige Entscheidung soll der „Gemeinsame Bundesausschuss von Krankenkassen, Ärzten, Kliniken und Patientenbeauftragten“ im Herbst treffen. Für die Christdemokraten für das Leben e. V. (CDL) nimmt hierzu die Vorsitzende des Landesverbandes Bayern, Christiane Lambrecht, Stellung:

„Vorgeburtliche Bluttests als Kassenleistung werden eine Breitenwirkung haben. Wenn ein genetischer Defekt als hinreichender Grund für eine Abtreibung gesehen wird, dann sind diese Tests faktisch ein Screening nach Behinderungen. Dies setzt die Eltern des Kindes unter einen enormen Druck.

Viele Frauen spüren schon heute den Druck, unter allen Umständen ein gesundes Kind zu gebären. Und diese Bedrängnis wird weiter steigen: Mit den Bluttests wird erstmals die lückenlose Rasterfahndung auf Abweichungen wie das Down-Syndrom technisch und wirtschaftlich möglich. Dabei ist das derzeit verfügbare Spektrum der getesteten Abweichungen erst der Anfang: mit zunehmender Verfeinerung der Technik werden zunächst Erkrankungen wie z. B. erblicher Muskelschwund (Muskeldystrophie), die Bluterkrankheit (Hämophilie) oder Mukoviszidose, die durch Defekte in einzelnen Genen verursacht werden, erkennbar gemacht werden; danach dürften Untersuchungen auf sogenannte „Risikogene“ für Erkrankungen wie Diabetes, Fettstoffwechselstörungen oder Brustkrebs an der Reihe sein.

Bezahlt der Staat künftig diese Bluttests, sendet er das Signal, dass es „gut“ ist, wenn durch ein generelles Genscreening ungeborene Kinder mit einer Art „Prüfsiegel“ versehen werden. Wo bleibt der Aufschrei gegen Diskriminierung von Menschen mit Gendefekten? Wo bleiben Solidarität und Menschlichkeit? Für die CDL steht fest: Eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen darf es nicht geben.“

PRESSEMITTEILUNG DER STIFTUNG JA ZUM LEBEN

„Die Einführung eines Bluttests auf Trisomie 21 (Down-Syndrom) als Reihenuntersuchung für jede Schwangere ist unnötig und diskriminierend, wenn als einzige Handlungsmöglichkeit nach dem Test eine Abtreibung zur Verfügung steht“, erklärt Marie Elisabeth Hohenberg, Vorstandsvorsitzende der STIFTUNG JA ZUM LEBEN. Eine Rasterfahndung auf ungeborene Kinder nach bestimmten genetischen Merkmalen stelle eine Diskriminierung noch nicht geborener Menschen und als Folge auch geborener Menschen mit Down-Syndrom dar. 

Eltern, die auf jeden Fall „Ja“ zu einem behinderten Kind sagen würden, könnten diesen Test zwar auch nutzen, um sich auf die Betreuung eines genetisch besonderen Kindes nach der Geburt vorzubereiten. Dieser Zusatznutzen dürfte aber nicht die gesellschaftlichen Kosten in Höhe von 130 bis 300 Millionen Euro jährlich durch ein Screening für alle Schwangeren rechtfertigen. 

In einem Statement der Eltern des kürzlich verstorbenen Tim, dem „Oldenburger Baby“, das seine eigene Abtreibung wegen Down-Syndrom 21 Jahre lang überlebt hatte, erklären die Eltern aus aktuellem Anlass:

„Warum es Tendenzen gibt, gerade Menschen mit dieser Art der Behinderung durch gezielte Selektion aus unserer Gesellschaft und unserem Leben herauszufiltern, können wir nicht nachvollziehen. Das Leben eines Menschen darf oder muss auch bunt sein, alle Facetten sollten darin vorkommen dürfen.“ 

Familie Bernhard und Simone Guido aus Quakenbrück ist aktuell die Pflegefamilie von zwei Mädchen mit Down-Syndrom. Sie erläutern der STIFTUNG JA ZUM LEBEN weiter:

„Wir leben schon seit über 21 Jahre mit Kindern, die das Down-Syndrom haben, zusammen und können uns ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen.

Natürlich ist es nicht immer einfach und Geduld ist oft die größte Herausforderung. Wenn die typische „Sturheit“, die unsere besonderen Kinder an den Tag legen können, mal wieder angesagt ist. Gerade wenn es schnell gehen muss, Termine anstehen oder etwas erledigt werden muss, sind es diese Momente, an denen nur ein ordentliches Maß an Geduld weiterhilft. Diese schwierigen Momente werden aber sofort durch ein ehrliches Lächeln, eine liebevolle Umarmung oder die ansteckende Fröhlichkeit und die grenzenlose Empathie mehr als ausgeglichen.

Wie wertvoll diese Charaktereigenschaften sind, merken wir zurzeit sehr intensiv, denn unser geliebter Sohn Tim, ist gerade im Alter von 21 Jahren plötzlich und viel zu früh gestorben. Wir vermissen Tim und seine Art das Leben zu zelebrieren, seine Fröhlichkeit und unendliche Liebe so sehr.“

Meschede, den 11.04.2019

Karikatur von Thomas Plaßmann – Titel: Im Vorfeld – © Thomas Plaßmann


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,

am kommenden Donnerstag, den 10. April,  findet im Deutschen Bundestag um 9.00 Uhr eine wichtige Orientierungsdebatte zur zukünftigen Krankenkassenfinanzierung von nichtinvasiven Bluttest (NIPD) statt. Durch diesen Test soll an Hand des mütterlichen Bluttest während der Schwangerschaft festgestellt werden, ob das ungeborene Kind das DownSyndrom oder eine andere Trisomie hat. Dieser Test hat keinen therapeutischen Nutzen , sondern dient ausschließlich der Selektion. Fast immer werden die Kinder im Mutterleib getötet, wenn die Diagnose Down-Syndrom gestellt wird. 

Am Mittwoch werden viele Organisationen zusammen mit Menschen mit Down-Syndrom gegen die Krankenkassenfinanzierung des Tests in Berlin demonstrieren. 

Die Veranstaltung beginnt um 11.00 Uhr vor dem Gesundheitsministerium ( Friedrichstraße 108) in Berlin.

Wer kann, sollte unbedingt mitgehen! Initiator ist die Lebenshilfe, unterstützt durch weitere Organisationen der Behindertenhilfe.

 Hier finden Sie weitere Informationen zu der Demonstration in Berlin:

https://www.lebenshilfe.de/mitmachen/kampagnen/1221-trisomie-bluttest/

Zeigen wir unsere Solidarität mit den Betroffenen und machen wir deutlich, dass wir für das Lebensrecht aller Menschen eintreten!

Mit den besten Grüßen

Ihr Hubert Hüppe

Petition von N. Dedreux:

https://www.change.org/p/menschen-mit-downsyndrom-sollen-nicht-aussortiert-werden-ich-will-nicht-dass-die-krankenkasse-den-bluttest-bezahlt-goeringeckardt-tonihofreiter-dietmarbartsch-swagenknecht-c-lindner-andreanahlesspd-rbrinkhaus

Petition von Eltern von Kindern mit Down-Syndrom:

https://www.change.org/p/kassen%C3%A4rztliche-vereinigung-%C3%A4rztekammer-gba-der-deutsche-bundestag-ich-will-nicht-abgetrieben-werden-sondern-auf-der-welt-bleiben

CDL begrüßt wichtiges Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) zum Lebensende vom 2.4.2019 – VI ZR 13/18

Für die Christdemokraten für das Leben e. V. (CDL) nimmt deren Pressesprecherin, Susanne Wenzel, wie folgt Stellung:

„Der Sohn eines an Demenz erkrankten Patienten hatte den Hausarzt seines Vaters auf Schmerzensgeld und den Ersatz der Behandlungs- und Pflegekosten verklagt, da dieser seinen Patienten mittels künstlicher Ernährung über einen Zeitraum von fünf Jahren „am Leben erhalten“ hatte. Aus Sicht des Sohnes sei dies spätestens seit 2010 lediglich eine „sinnlose Verlängerung des krankheitsbedingten Leidens“ seines inzwischen an weiteren schweren Erkrankungen leidenden Vaters gewesen. Der Arzt hätte die lebenserhaltenden Maßnahmen beenden müssen. Hierzu hat der Bundesgerichtshof am Dienstag (2. April) entschieden, dass der Arzt nicht zu belangen sei.

„Die CDL begrüßen das Urteil des BGH ausdrücklich. Ein Leben, auch das mit Krankheit und Leiden behaftete, ist niemals ein „Schadensfall“. Die Richter betonen unmissverständlich in ihrer Entscheidung, dass das Leben als höchstrangiges Rechtsgut absolut erhaltungswürdig ist. Daher steht einem Dritten – egal wie altruistisch vielleicht im Einzelfall die Motive auch sein mögen – niemals ein Urteil über den Wert eines anderen Lebens und dessen Beendigung zu. 

Wörtlich heißt es dazu im Urteil: „Das menschliche Leben ist ein höchstrangiges Rechtsgut und absolut erhaltungswürdig. Das Urteil über seinen Wert steht keinem Dritten zu. Deshalb verbietet es sich, das Leben – auch ein leidensbehaftetes Weiterleben – als Schaden anzusehen (Art. 1 Abs. 1, Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG). Auch wenn ein Patient selbst sein Leben als lebensunwert erachten mag mit der Folge, dass eine lebenserhaltende Maßnahme gegen seinen Willen zu unterbleiben hat, verbietet die Verfassungsordnung aller staatlichen Gewalt einschließlich der Rechtsprechung ein solches Urteil über das Leben des betroffenen Patienten mit der Schlussfolgerung, dieses Leben sei ein Schaden.“

Der Arzt hat damit aus gerichtlicher Sicht also vollkommen richtig gehandelt, da sein Patient offenbar zu keiner Zeit eine andere Vorgehensweise etwa in einer Vorsorgevollmacht oder Patientenverfügung festgelegt hatte oder sein Wille auf Unterlassung lebenserhaltender Maßnahmen anderweitig zu erkennen war. Es wäre für den Arzt also gar nicht zulässig gewesen, seinem Patienten die künstliche Ernährung zu verweigern. Damit gibt der Bundesgerichtshof nicht nur für die Ärzteschaft und das Gesundheitswesen sowie die Palliativversorgung in Deutschland ein richtungsweisendes Signal, das Menschenrecht auf Leben als anderen Interessen übergeordnetes Recht auf Leben auch in kritischen und aussichtslosen Lebenslagen stets anzuerkennen. 

Zudem betont die aktuelle Entscheidung des Bundesgerichtshofes die geltende Rechtslage klar und eindeutig: das Verfügungsrecht über das Leben eines Menschen ist immer und unter allen Umständen einem Dritten versagt. Aus Sicht der Christdemokraten für das Leben (CDL) ist dieses Urteil sehr ermutigend und beachtenswert, da im vorliegenden Fall höchstrichterlich aufgezeigt und unterstrichen wurde, wie grundlegend die uneingeschränkte und verläßliche Solidarität mit Schwer- und Schwerstkranke auch am Lebensende für unsere gesamte Rechtsordnung ist und bleibt.“