Die „doppelte Widerspruchslösung“ des Gesundheitsministers Jens Spahn ist keine Lösung für die Krise der Transplantationsmedizin

Am 31. August hat der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ein „Gesetz für bessere Zusammenarbeit und bessere Strukturen bei der Organspende (GZSO)“ als Referentenentwurf vorgestellt. Dieser Entwurf wurde am 3. September von einem Interview auf der ersten Seite der „Bild Zeitung“ flankiert, in dem Herr Spahn sich für eine „doppelte Widerspruchslösung“ ausspricht. Hierbei soll jeder als Organspender in Betracht kommen, der selbst oder dessen Angehörige eine Organspende nicht ausdrücklich widersprochen hat bzw. haben. Folgerichtig verpflichtet das neue GZSO alle Krankenhäuser dazu, Hirntode „nach ärztlicher Beurteilung“ und „unverzüglich“ auch dann als potentielle Organspender zu melden, wenn keine Einwilligung des Spenders oder seine Angehörige vorliegt.

Minister Spahn ist es klar, dass „der Staat hier in die Freiheit des Einzelnen ein[greift]“, möchte aber den Bürgern ihre „Ängste“ durch „gute Argumente“ und „Aufklärung über die Hirntod-Diagnostik“ nehmen.

Wie bereits mehrfach erläutert, halten die Ärzte für das Leben eine wie auch immer geartete Widerspruchslösung für äußerst bedenklich. Denn die sinkende Bereitschaft zur Organspende ist nicht nur das Ergebnis mangelnder Organisation in den Entnahmezentren sondern auch Ausdruck einer tiefsitzenden Skepsis in der Bevölkerung gegenüber der Gleichsetzung des Hirntods mit dem Tod eines Menschen, wie durch die „Göttinger Organspende-Survey“ klar belegt wurde. Explizit haben die Autoren dieser Studie darauf hingewiesen, dass „Verweise auf sachgerechte Abläufe“, wie etwa die von Spahn vorgeschlagene „Aufklärung über die Hirntod-Diagnostik“, die Spendebereitschaft bei Skeptikern kaum beeinflussen werden, da sie „an grundlegenden Haltungen wenig verändern.“

„Was wir brauchen ist nicht die Erhöhung der Organspenderate mit der Brechstange“, sagte Prof. Dr. Paul Cullen, Vorsitzender der Ärzte für das Leben, heute in Münster, „sondern eine fundierte gesellschaftliche Diskussion über das, wie Dr. Michael de Ridder sagt, „notorisch umstrittene“ Hirntodkonzept“. „Im Übrigen macht sich der Bundesgesundheitsminister möglicherweise was vor, wenn er sein Heil in der Widerspruchslösung sucht, Denn ihre Einführung hat die Spenderate in Schweden und Singapur nicht verändert, währende in Brasilien, Lettland und Dänemark die Organspendebereitschaft nach Etablierung einer Widerspruchslösung sogar gesunken ist.“

Über Ärzte für das Leben e.V.
Der Verein „Ärzte für das Leben“ fordert eine uneingeschränkte Kultur des Lebens in der medizinischen Praxis und Forschung auf der Grundlage der hippokratischen Tradition. Er finanziert sich ausschließlich über die Beiträge seiner Mitglieder sowie durch Spenden. Mehr unter https://aerzte-fuer-das-leben.de/

Kontakt
Ärzte für das Leben e.V.
Prof. Dr. med. Paul Cullen
48163 Münster
Tel.: 02536-319 5008
E-Mail: p.cullen[at]aerzte-fuer-das-leben.de

Zum heutigen Auftakt des Prozesses in Kassel gegen zwei Gynäkologinnen wegen Verstoßes gegen den § 219 a StGB sagte Alexandra Linder, Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle e.V., heute in Augsburg:

Die Sachlage ist eindeutig: Auf der Internetseite der beiden Kasseler Ärztinnen Szász und Nicklaus steht unter der Rubrik „Ambulante Operationen“ ganz unten „Schwangerschaftsabbruch“, als normale Dienstleistung im Rahmen des gynäkologischen Spektrums. Das absichtliche Beenden von Leben gegen Bezahlung sei, so wird suggeriert, ebenso selbstverständlich wie die Gesundheitsbehandlung oder Hilfe bei dem Versuch, Leben zu zeugen. Damit liegt ein Verstoß gegen den § 219a StGB vor.

Der schwarze Peter wird in Bezug auf den § 219 a generell denjenigen zugeschoben, die den auch im Kasseler Fall notorischen, absichtlichen Gesetzesverstoß angezeigt haben. Schuld an einer Verurteilung sind aber immer diejenigen, die gegen ein Gesetz verstoßen, nicht diejenigen, die darauf aufmerksam machen. Die Mitgliedschaft von Frau Szász bei „Terre des Femmes“ deutet darauf, worum es wirklich geht: Der Verein fordert eine „Entkriminalisierung der Abtreibung“. Dieser Begriff beinhaltet die Behauptung, dass eine absichtliche Handlung, bei der immer mindestens ein Mensch stirbt, ein Recht sei und die möglichen rechtlichen Konsequenzen für die Handelnden daraus ein Unrecht.

Kinder spielen hierbei keine Rolle, auch nicht Millionen von Mädchen, die weltweit jedes Jahr ausschließlich deshalb durch Abtreibung beseitigt werden, weil sie Mädchen sind. „Die ALfA fordert seit vielen Jahren die Beendigung dieser mädchenverachtenden Praxis, die Feministinnen schweigen“, so Linder. „Jedes Jahr werden über 45 Millionen Kinder, deutlich mehr als die Hälfte davon Mädchen, einer Ideologie geopfert und mögliche negative Folgen für die Mütter werden verschwiegen, unter denen Millionen von Frauen leiden.“

Auch das Argument, mit gesetzlichen Regelungen treibe man Frauen in die unsichere Illegalität, sei nicht haltbar. „Eine Schwangerschaft ist keine Erkrankung und eine Abtreibung keine alternativlose lebensrettende Gesundheitsbehandlung. Wir sollten uns vielmehr um die Ursachen der Schwangerschaftskonflikte kümmern und echte Hilfe anbieten, damit keine Frau über Abtreibung nachdenken muss. Beratungsstellen, die dies seit vielen Jahren tun, haben regen Zulauf, denn in der Regel wollen Frauen überhaupt nicht abtreiben.“ Die Forderung nach Legalisierung sei die Folge einer im Grunde frauenfeindlichen Ideologie: „Es läuft darauf hinaus, dass Emanzipation bedeutet, weibliche Fähigkeiten und Eigenschaften abzuschaffen, um den Männern gleich zu sein. Das ist keine Emanzipation, sondern eine Kapitulation, denn damit geben die Protagonistinnen zu, dass sie ihr eigenes Geschlecht offenbar für minderwertig halten.“

„Außerdem untergräbt eine Forderung nach einem Recht auf Abtreibung das Grundrecht der Gleichbehandlung“, sagte Linder abschließend. „Das Ziel eines Rechtsstaates kann nur sein, das Selbstbestimmungsrecht der Frau so mit dem Lebensrecht des Kindes in Einklang zu bringen, dass beide Personen damit leben können und nicht sterben müssen.“


Die Aktion Lebensrecht für Alle e.V. (ALfA) tritt für das uneingeschränkte Lebensrecht jedes Menschen ein – ob vor oder nach der Geburt, behindert oder nicht, krank oder gesund, alt oder jung.
Die ALfA hat mehr als 11.000 Mitglieder und ist Mitglied im Bundesverband Lebensrecht (BVL).

V.i.S.d.P.:
Alexandra Maria Linder M.A.
Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle, ALfA e.V.
E-Mail: alexandra.linder@alfa-ev.de
Telefon: 02724/288944 oder 0175/9616906

https://www.alfa-ev.de
https://www.facebook.com/alfa.ev

Oprah Winfrey bekommt Riesenärger von ihren Fans. Weil sie eine Kampagne unterstützt, die Frauen auffordert mit ihrer Abtreibung anzugeben. „Meine Abtreibung war sanft, unbedeutend und ermächtigend“, so eine Frau, die im Rahmen der Kampagne „Shout your abortion“  (https://shoutyourabortion.com/)

ihre Geschichte erzählt. Eins ist klar: sanft und unbedeutend war die Abtreibung für das getötete Kind sicher nicht. Und dass diese Frau ihre Abtreibung als einen Vorgang bezeichnet hat, der sie selbst mit Macht erfüllt, ist einfach nur entsetzlich. Was sind das für Menschen, die es genießen, ihre Macht über andere dazu auszunutzen diese zu töten?

 

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Katholisch.de ist das Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland und ein Aufgabenbereich der APG (allgemeine gemeinnützige Programmgesellschaft). Satzungszweck dieser Gesellschaft ist angeblich die Unterstützung der kirchlichen Medienarbeit entsprechend der Lehre der Kirche. Da hätte ich mir eine etwas weniger tendenziöse Berichterstattung gewünscht – oder wenigstens einen passenden Kommentar zum Bericht. Muss nun auch noch die katholische Kirche von „militanten Lebensschützern“ reden, statt darauf hinzuweisen dass vor allem diejenigen militant sind, die ungeborene Kinder töten?! Muss stattdessen katholisch.de unreflektiert die zweifelhafte Recherche des wenig kirchenfreundlichen Magazins Kontraste kritiklos übernehmen?

Überall, ihr lieben Leute, fehlen in Deutschland Ärzte. Sind da auch „militante Patientenschützer“ am Werk, die den armen Ärzten ihre Tätigkeit vermiesen? Oder kann es vielleicht doch so sein, dass den Ärztemangel AUCH die Abtreibungsärzte zu spüren bekommen?

Dieselben Leute, die Lebensrechtler zum Sündenbock für den Mangel an Abtreibungsärzten machen, fordern gleichzeitig ein Werbeerlaubnis für Abtreibungen, damit Abtreibungsärzte leichter von den Frauen gefunden werden können. Wir sollen also glauben, dass zwar abtreibungswillige Frauen keine Ahnung haben, wer abtreibt und wo man diese Ärzte finden kann, aber die Lebensrechtler sind bestens darüber informiert und jagen den Ärzten solche Angst ein, dass sie sich gar nicht mehr trauen zu praktizieren. Logik geht anders.

 

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von Alexandra Maria Linder

Dieser Text ist kein objektiv geschriebener Artikel. Das geht nicht. Es ist ein subjektiver, persönlicher Nachruf auf jemanden, um den wir gemeinsam mit seiner Frau Barbara und den drei Kindern tief trauern. Wenn ich wir sage, meine ich damit die gesamte deutsche Lebensrechtsbewegung.

Mit Manfred Libner verbindet uns unendlich viel. Vor Jahren standen wir zum Beispiel auf der Kölner Domplatte, um die Öffentlichkeit an „Tim lebt!“ zu erinnern. Diese Kampagne hatte er mit initiiert, als der kleine Tim 1997 abgetrieben wurde, aber nicht sterben wollte, obwohl man ihn stundenlang liegen ließ. Noch heute ist diese Aktion in Verbindung mit den steigenden Spätabtreibungen aktuell. „Stoppt PID und Klonen“ und „Deine Stammzellen heilen“ waren weitere Kampagnen, an denen er federführend mitwirkte.

Wir lernten uns 2001 näher kennen, auf einem internationalen Lebensrechtstreffen in Paris, das zwischen ihm, mir und drei weiteren Personen eine Freundschaft begründete. Da das Kloster, in dem wir wohnten, strenge Regeln hatte, stiegen wir den Montmartre hinunter, um bei gutem Wein anregende Abende zu verbringen und Strategien zu planen. Später zelteten wir samt Familien im Indianertipi und sangen bei leider seltenen privaten Treffen nostalgisch mit Gitarre am Lagerfeuer. Manfred liebte alte Studentenlieder und erschien meist im typischen Trachtenjanker. Auch wenn die Themen, mit denen wir uns beschäftigen, nie spaßig sind, so haben wir doch humorvolle Erinnerungen an Begegnungen, bei denen wir diskutierten und schwadronierten.

Der Marsch für das Leben in Berlin ist ohne Manfred Libner nicht denkbar. Über Jahre hat er ihn mitgeprägt und war beim Bundesverband Lebensrecht im Vorstand aktiv. Die gemeinsame Erfahrung, in der Öffentlichkeit für seine Überzeugung angepöbelt zu werden, er wie immer die Ruhe in Person, schweißte zusammen.

Auch One of us war eine seiner Herzensangelegenheiten; aus einer europäischen Initiative, die 2012 mit einer Unterschriftensammlung begann, entwickelt sich inzwischen auch dank seiner Arbeit ein internationales Zusammenwirken nationaler Vereine.

Sein berufliches Lebensrechts-Zentrum fand Manfred, der in München Politologie, Geschichte und Wirtschaft studiert hat, endgültig in Meschede. 1996 wurde er dort Geschäftsführer der Christdemokraten für das Leben, später ging er in dieser Position zur „Stiftung Ja zum Leben“. Hier konnte er viele Projekte, die ihm wichtig waren, anstoßen und weiterentwickeln, die Förderung von Vereinen unterstützen, die sich um Kinder vor und nach der Geburt kümmern, und Schwangere in Not unbürokratisch und schnell mit finanzieller oder anderer Hilfe versorgen.

Manfred Libner liebte seine Familie und das Lebensrecht und setzte sich unermüdlich und mutig dafür ein. Zuversicht und Warmherzigkeit, gepaart mit Frohsinn, haben ihn und seine Umgebung geprägt. Wir sind ihm sehr dankbar. Im Alter von 60 Jahren ist er am Sonntag gestorben. Ich hoffe, sein aufrechter Glaube hat ihn zum Ziel geführt. Requiescat in pace.

München und Nordwalde, den 14.05.2018

CDL trauert um langjährigen bayrischen Landesvorsitzenden und früheren Bundesgeschäftsführer Manfred Libner

„Die Christdemokraten für das Leben (CDL) trauern um ihren langjährigen bayrischen Landesvorsitzenden und ehemaligen Bundesgeschäftsführer Manfred Libner, der am Sonntag nach langer schwerer Krankheit im Alter von 60 Jahren verstorben ist. Unser tiefst empfundenes Mitgefühl und Trauer gilt seiner Familie.

Alle, die Manfred Libner persönlich begegnet und mit ihm gemeinsam aktiv gewesen sind, wissen, welch ein großer Verlust sein Tod in jeder Hinsicht ist. Manfred Libner war ein großartiger und begeisterungsfähiger Mensch, der die Geschäftsführung der CDL und später auch den Vorsitz für unsere CDL in Bayern, als echter Freund des Lebens und aus tiefer christlicher Glaubensüberzeugung intensiv ausgefüllt hat – immer tatkräftig, offen, hilfsbereit, klug, mit Humor und menschlich besonders liebenswürdig.1995 wurde er Geschäftsführer der CDL auf Bundesebene und baute das bundesweite Netzwerk mit großer Überzeugung kontinuierlich weiter aus. Wir sind dankbar dafür, dass er bereits in den politischen Kontroversen der 90ger Jahre und später stets überzeugend klar und deutlich für das Recht auf Leben Position bezogen hat, auch wenn der gesellschaftliche Gegenwind manchmal stark wurde. Durch seine beharrliche Arbeit hat er mit eine gute Grundlage dafür gelegt, dass die CDL immer bekannter wurde und sich auch heute gerade bei jungen Menschen einer wachsenden Zustimmung erfreut.

Mit seinem liebenswürdigen Naturell, rheinischem Humor, hoher fachlicher Kompetenz und unbeugsamer Standfestigkeit in wesentlichen Fragen hatte sich der Verstorbene immer und immer wieder für den Schutz der schwächsten Glieder des Gemeinwesens, für die Treue zum christlichen Menschenbild und für die fundamentale Bedeutung von Ehe und Familie für die Gesellschaft eingesetzt. In der Lebensschutzbewegung in Deutschland und auch vielen anderen Ländern Europas hatte er an der Seite der Gründerin der „Stiftung Ja zum Leben“, Johanna Gräfin von Westphalen, die Stiftung als zuverlässigen Partner für die Lebensschutzbewegung in Deutschland etabliert. Als die CDL-Bundesgeschäftsstelle im Jahre 2005 nach Münster umzog, entschloss sich Manfred Libner in Meschede in Haus Laer zu bleiben, um sich ganz auf die Arbeit als Geschäftsführer der „Stiftung Ja zum Leben“ zu konzentrieren. Einige Jahre war er zusätzlich auch stellv. Vorsitzender des Bundesverbandes Lebensrecht (BVL).

Manfred Libner blieb der CDL- Arbeit weiterhin treu und übernahm im Oktober 2005 den Vorsitz des bayerischen Landesverbandes der Christdemokraten für das Leben als vierter Vorsitzender bis zum Oktober 2014, ehe er das Amt der aktuellen Landesvorsitzenden Christiane Lambrecht übergab. In seine Amtszeit fiel u.a. die Festveranstaltung zum 20-jährigen Jubiläum der CDL Bayern im Münchner Kolpinghaus im Herbst 2007 und eine große Diskussionsveranstaltung im Februar 2011 unter dem Motto „Babys brauchen Freunde“ mit dem späteren Vizepräsidenten des Deutschen Bundestags, Johannes Singhammer (CSU), zur damaligen Debatte um die gesetzliche Regelung zur Präimplantationsdiagnostik. An vielen Veranstaltungen und Aktionen beteiligte er sich mit großem persönlichem Einsatz.

Manfred Libner hat sich beispielsgebend als Christ und Bürger stets für Frauen in Not und für die Kleinsten, Schwächsten und Wehrlosesten in unserer Gesellschaft, die Ungeborenen, eingesetzt. Sein unermütliches Wirken für den Lebensschutz werden wir als Christdemokraten für das Leben stets in bleibender, dankbarer Erinnerung halten.

 

Christiane Lambrecht
Landesvorsitzende Bayern

Mechthild Löhr
Bundesvorsitzende

Im Masterstudiengang Public Health an der Hochschule (bis Juni 2006 Fachhochschule) Fulda haben zwei Studentinnen für ihre Masterarbeit zur Vergabepraxis der „Pille danach“ einen Preis erhalten, der nach einer Eugenikerin der ersten Stunde, Henriette Fürth, benannt wurde. Frau Fürth hat sich schon 1929 in ihrem Buch „Die Regelung der Nachkommenschaft als eugenisches Problem“ für die Sterilisation sogenannter „erbkranker“ Menschen stark gemacht. Der Fachbereich Public Health wird von Daphne Hahn geleitet, bis 2017 Bundesvorsitzende von pro familia. Pro Familia setzt sich seit Jahren für ein „Menschenrecht auf Abtreibung“ ein. Eine wissenschaftlich korrekte Masterarbeit zur „Pille danach“ aus diesem Umfeld war kaum zu erwarten.

Dennoch überrascht es, wie unkritisch die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der beiden Studentinnen übernommen wurden. Von den 143 befragten Apothekern sahen 70,3% die „Pille danach“ als „besonderes Medikament“, für 70,4% war sie sogar „medizinisch bedenklich“. Diese Bedenken sahen die beiden Studentinnen als nicht gerechtfertigt, da ihrer Meinung nach die „Pille danach“ wenige Neben- und Wechselwirkungen und keine abtreibende Wirkung aufweist. Daher seien die Bedenken der Apotheker nicht medizinischer sondern „moralischer“ Natur, schlussfolgerte die preisgekrönte Masterarbeit.

Diese Schlussfolgerung muss man entschieden abweisen und den Apothekern in Hessen für ihre medizinischen Kenntnisse ein Lob aussprechen. Denn die „Pille danach“ ist alles andere als neben- und wechselwirkungsfrei. Bei sowohl Ulipristal („EllaOne“) in der Dosis von 30 mg wie auch Levonorgestrel („PiDaNa“) in der Dosis von 1,5 mg werden laut Beipackzettel mehr als eine von zehn Frauen an Übelkeit, unregelmäßige Blutungen bis zur nächsten Regel, Unterbauchschmerzen, Müdigkeit und/oder Kopfschmerzen leiden. Wechselwirkungen können mit Arzneimitteln gegen Krampfanfälle, Medikamente zur Behandlung von Tuberkulose, HIV, Pilzinfektion oder Johanniskraut auftreten.

So wird die Wirkung der „Pille danach“ an diesen Stellen allein durch eine Verschiebung des Eisprungs erklärt. In Wirklichkeit ist für beide Präparate eine frühabtreibende Wirkung gut belegt. Im US-amerikanischen Beipackzettel von „EllaOne“ (Ulipristal) geben die Hersteller des Präparates selbst an, dass „zur Wirksamkeit Veränderungen in der Gebärmutterschleimhaut mit Auswirkungen auf die Einnistung beitragen können“. Auch für Levonergestrel (PiDaNa) ist eine frühabtreibende Wirkung je nach Zeitpunkt der Einnahme sehr wahrscheinlich. Diese entsteht dadurch, dass die Einnistung des kleinen Embryos in die Gebärmutterschleimhaut verhindert wird.

Bei dieser Preisverleihung werden die Verstrickung der deutschen Abtreibungslobbys mit dem Bildungssystem einmal mehr sichtbar. Eine private Organisation, die für die Freigabe der „Pille danach“ jahrelang gekämpft hat, „überwacht“ anschließend diese Freigabe mittels einer staatlich finanzierten Hochschule, um zu dem Schluss zu kommen, dass diese immer noch nicht „frei“ genug ist. Um das Ganze medienwirksam zu machen, wird für diese Erkenntnis noch ein dubioser Preis verliehen und schon stehen Hessens Apotheker mit dem Vorwurf am Pranger, sie hätten wenig Ahnung und würden ihre moralischen Vorurteile der Versorgung ihrer Patientinnen vorziehen.

Dass die Freigabe der „Pille danach“ die Häufigkeit von Abtreibungen nachhaltig senkt, gehört im Übrigen auch in das Reich der Fantasie. Im Vereinigten Königreich, wo die „Pille danach“ bereits vor 13 Jahren freigegeben wurde, ist die Abtreibungsrate, auch bei jungen Frauen, seitdem signifikant angestiegen auf derzeit etwa eine von vier Schwangerschaften. Auch Geschlechtskrankheiten haben in dieser Zeit stark zugenommen. In Deutschland – hier ist die Pille danach seit 2015 rezeptfrei – hat die Anzahl der Abtreibungen bereits ebenfalls zugenommen. Wie sich die Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten hierzulande entwickeln wird, kann man sich dann denken.

Prof. Dr. Paul Cullen ist Labormediziner und Vorsitzender des Vereins „Ärzte für das Leben“

Zu Risiken und Nebenwirkungen hat der Apotheker zu schweigen: Henriette Hürth Preis an Fuldaer Studentinnen verliehen

Zwei Studentinnen der Fachhochschule Fulda haben untersucht, wie das Abgabeverhalten der Apotheker im Bezug auf die sogenannte „Pille danach“ (PiDaNa oder Ella One) ist ein seit 2014 rezeptfreies Verhütungsmittel. Die gute Nachricht: wir dürfen auch weiterhin beruhigt in deutschen Apotheken auch rezeptfreie Medikamente kaufen. Über 70 Prozent der Apotheker sind bei der Abgabe der PiDaNa ihrer Beratungspflicht nachgekommen und haben dieses Präparat nicht einfach über die Ladentheke geschoben. Schon die normale Pille verliert zusehends an Akzeptanz bei jungen Frauen, und das aus guten Gründen: sie sind es leid, allein die Verantwortung für die Verhütung zugeschoben zu bekommen, und hierfür eine Chemiekeule zu schlucken, von der sie merken, dass sie ihnen nicht gut tut. Zusehends klagen junge Frauen über Nebenwirkungen wie Depressionen, unreine Haut, Kopfschmerzen, Gewichtszunahme und – ironischerweise – sexuelle Unlust. Das deutlich erhöhte Thromboserisiko durch die Pilleneinnahme ist längst bekannt. Die PiDaNa enthält nun die bis zu fünfzehnfache Dosis einer normalen Pille und erfreut sich seit ihrer Rezeptfreigabe größter Beliebtheit. Im vergangenen Jahr wurde dieser Hormonhammer 808.000-mal in Apotheken abgegeben – 51.000-mal häufiger als im Vorjahr, eine Steigerung um 6,7 Prozent. Das allein ist schon besorgniserregend. Verglichen mit den Zahlen aus 2014, dem letzten Jahr, in dem die PiDaNa noch rezeptpflichtig war, wird einem jedoch angst und bange: die Verkaufszahlen stiegen um über 70 Prozent. Da die Abgabe der normalen Antibabypille im selben Zeitraum nicht um 70 Prozent abnahm, und da die Zahl der Abtreibungen vor Freigabe der PiDaNa nicht deutlich höher war, bleibt nur eine Schlussfolgerung übrig: Frauen schlucken die PiDaNa, obwohl sie gar nicht schwanger sein können. Sie kommen aufgeregt und panisch in die Apotheke um sich Sicherheit zu kaufen. Die PiDaNa liefert aber nur die verhältnismäßig große Sicherheit, dass keine Schwangerschaft zustande kommen kann. Als ein sicheres Medikament kann sie angesichts der zahlreichen bekannten Risiken und Nebenwirkungen keinesfalls bezeichnet werden: nicht umsonst haben sich Frauenarztverbände mit Händen und Füßen gegen die Rezeptfreigabe der PiDaNa gesträubt. Ein Apotheker, der seinen Beruf ernst nimmt, darf keinesfalls ein so hoch dosiertes Medikament einfach über die Ladentheke schieben, zumal wenn er weiß, dass die Notwendigkeit seiner Einnahme vorher nicht mit einem Arzt in Ruhe besprochen wurde. Und er darf schon gar nicht versäumen, über Risiken und Nebenwirkungen aufzuklären. Die jungen Studentinnen fordern aber genau das Gegenteil als Fazit ihrer Arbeit: Die gewissenhafte Arbeit der Apotheker stelle eine Bevormundung der Frau da, es bestehe Handlungsbedarf. Wirklich? Dass Frauen sich von der Beratung in der Apotheke nicht beeinträchtigen lassen, zeigen die bereits genannten stetig wachsenden Absatzzahlen der PiDaNa. Handlungsbedarf besteht also vielmehr dahingehend, dass intensiver über die vielfach unnötige Einnahme de PiDaNa aufgeklärt wird. Wie traurig, dass so junge Frauen wie die beiden Fuldaer Studentinnen ihre Geschlechtsgenossinnen stattdessen so bedenkenlos ans Messer liefern wollen. Und wie entsetzlich, dass diese frauenverachtende Haltung auch noch mit einem Preis belohnt wird

„chrismon“ über Hänel: „Homestory“ mit sachlichen Mängeln
Das EKD-Monatsmagazin „chrismon“ stellt in der August-Ausgabe die wegen unerlaubter Werbung für Abtreibungen verurteilte Gießener Ärztin Kristina Hänel in einem Porträt vor. Der Beitrag ist überschrieben mit „Die Retterin“. Dazu ein Kommentar der Vorsitzenden des Bundesverbandes Lebensrecht, Alexandra Linder (Weuspert/Sauerland).

 

Das evangelische Magazin „chrismon“ suggeriert in seinem Artikel über eine Frau, die ihr Geld vor allem mit der tödlichen Beseitigung von Kindern vor der Geburt verdient, dass eine großmütige, menschenfreundliche Heldin zu Unrecht vor Gericht gezerrt wird. Und mit Pferdetherapien oder ihrem Einsatz für ein gutes Verhältnis zu den Juden tut Kristina Hänel in der Tat Gutes.

Es gibt legale Möglichkeiten, um zu informieren

Bei Abtreibungen sieht das anders aus. Abgesehen davon, dass Frau Hänel laut Informationsblatt – wofür sie verurteilt wurde – „legale“ Abtreibungen macht und „Schwangerschaftsgewebe“ entfernt, gibt es noch mehr zu bedenken: Frau Hänel hat einstmals, „ermutigt durch zwei Bier“, ihren Kumpel David gefragt, ob er ihr beibringen könne, wie man abtreibt. So schreibt sie im unter Pseudonym verfassten Buch „Die Höhle der Löwin“. Die Allgemeinmedizinerin ohne Doktortitel hat keine gynäkologische Facharztausbildung. Sie kann sich dennoch mit ihrer Abtreibungspraxis bei jeder Schein-Beratungsstelle registrieren und braucht keine Werbung. Sie könnte 100 Internetseiten erstellen, wenn sie den Eindruck hätte, dass es an sachlicher Information zum Thema Abtreibung fehlt – nur ohne den Hinweis, dass man in ihrer Praxis abtreiben kann. Hätte sie also uneigennützige Ziele, gäbe es genug legale Möglichkeiten.

Kein seriöser Lebensrechtler schickt Hassmails

So bleibt festzuhalten, dass sie notorisch – mindestens seit 2004, als sie schon einmal verurteilt wurde – für ihre vorgeburtlichen Kindstötungen gegen Entgelt wirbt und damit absichtlich gegen ein Gesetz verstößt. Aber kein seriöser Lebensrechtler hat Frau Hänel schikaniert, ihr Hassmails geschickt oder mit einem langsamen Foltertod gedroht, wie es in dem Artikel heißt – und keiner verhöhnt den Holocaust. Worauf hier angespielt wird: Eine einzige Person verwendet den Begriff „Babycaust“, ein „Einzelkämpfer“ unter hunderttausenden Lebensrechtlern. Wenn unter 100.000 Tierschützern ein einziger einen Massentierhalter mit solchem Gebaren überzieht, wird er auch nicht als pars pro toto für die gesamte Tierschutzbewegung genommen. Im übrigen sind „typische“ Lebensrechtler hilfsbereit und ohne Unterschied menschenfreundlich, sie argumentieren sachlich, helfen Schwangeren, dazu arbeiten sie meistens ehrenamtlich – sie müssen sich weder rechtfertigen noch ist Diffamierung angebracht.

Was pharisäerhaft ist

Da der chrismon-Artikel auf den Satz Frau Hänels, „Nur Dinge, die wahr sind, berühren mein Herz“, Wert legt, sollte er auch Wert auf wahre Berichterstattung legen. Woher will man wissen, wie viele Pharisäer es unter Lebensrechtlern gibt? Jesus mochte übrigens nicht nur keine Pharisäer, wie Frau Hänel betont, sondern mit Sicherheit auch keine Abtreiber. Und ist es nicht pharisäerhaft, sich über Andersdenkende zu stellen, zu meinen, man habe die Wahrheit für sich gepachtet? Woher will sie die Sicherheit nehmen, was wahr ist – und berühren die wahrhaft toten Kinder ihr Herz überhaupt nicht?

Frau Hänel macht sich zum Handlanger der Frauenfeindlichkeit

Das Beispiel der türkischen Frau, mit der Frau Hänel geweint hat, ist symptomatisch für ihre „Hilfe“. In dem geschilderten Fall will der Vater des Kindes die Frau nicht heiraten. Ledig mit Kind aber werde sie aus der Familie verstoßen. Also beugt man sich den Verhältnissen, tötet das Kind und schickt die Frau nach Hause. Die Familie könnte die Frau übrigens aus denselben kulturellen Gründen auch wegen der Abtreibung verstoßen. Ein anderes Kind wird wegen eines Arbeitsplatzes beseitigt. Frau Hänel tötet die Kinder einer dritten und vierten Frau, die von den Männern verlassen wurden. Alle Fälle zeigen, dass sie nicht den wirklichen Willen der Frauen erfüllt, die das Kind behalten wollen und nur angesichts widriger Umstände zur Abtreibung gehen; und dass sie die Probleme der Frauen damit nicht löst – denn das Kind ist generell nicht die Ursache des Problems. Sie macht sich zum Handlanger dessen, was sie ebenso bekämpfen will, wie die Lebensrechtler es tun: Frauenfeindlichkeit und Diskriminierung. Geradezu paradox.

Hanebüchen für ein christliches Magazin

Auch „chrismon“ macht sich zum Handlanger: von Ideologen, einem falschen Hilfeverständnis, von einem Denken, das eine Gruppe von Menschen willkürlich aus den Menschenrechten ausgrenzen will – für ein christliches Magazin ein hanebüchenes Unterfangen.