Kommentar zum Marsch für das Leben Der Rechtsruck bedroht die Emanzipation

Berlin ist die Hauptstadt der Demos. Ich wohne an einer der beliebten Routen für öffentliche Bekundungen aller Art. So kam es, dass am Sonnabend etwa 6000 Lebensschützer an meinen Fenstern vorbeizogen. Sie trugen ernste Gesichter, seltsame Plakate und wie jedes Jahr weiße Kreuze.  Ein Marsch gegen den großen Fortschritt der Moderne

Das Wort Holocaust im Zusammenhang mit Abtreibungen wurde diesmal vermieden, es gab wohl zu viel Kritik in der Vergangenheit. Dafür brachten die Verfechter „echter“ Familienwerte und des „wahren“ Frauenglücks (nämlich das des bedingungslosen Kinderkriegens), diesmal andere Nazibegriffe auf die Straße. So war die Rede von Euthanasie, Selektion und lebensunwertem Leben. Dazu Fotos von ausschließlich blonden Kindern. Das Ganze nannte sich „Marsch für das Leben“ – eine erstaunliche Analogie zum „Marsch des Lebens“, der jedes Jahr in Auschwitz an die von den Nazis Ermordeten erinnert.

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