Nachruf auf Dr. med. Rudolf Ehmann und Frau Dr. med. Adelheid Grüniger

Am 8. April 2019 verstarb im Alter von 77 Jahren unser ehemaliger Chefarzt, Lehrer, Freund und Vorbild Dr. Rudolf Ehmann. Er war von 1984-2006 Chefarzt im Kantonsspital Nidwalden, Schweiz, und leitete dort die Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe. Nur wenige Wochen später, am 4. Mai 2019, verstarb auch seine langjährige Oberärztin, Frau Dr. Adelheid Grüniger, die die Abteilung entscheidend mittrug, im Alter von 82 Jahren.

Dr. Ehmann war ein hocherfahrener Geburtshelfer, ausgezeichneter Kliniker und versierter Operateur. Als Führungskraft zeichnete ihn insbesondere seine Weisheit und Besonnenheit, seine vorbildliche Selbstdisziplin und eine große Motivation, Wissen und Können weiterzugeben, aus. Diese seine letztgenannte Eigenschaft ist der Grund, warum dieser Nachruf von Unterzeichnenden aus anderen Ländern und weiter Ferne verfasst wird.

Man darf mit Recht fragen, was dazu geführt hat, dass Studierende und Ärzte aus mehreren Ländern das doch im Verhältnis zu anderen Spitälern kleine Kantonspital in Nidwalden aufgesucht haben, um hier wenigstens einen Teil ihrer Ausbildung zum Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe verbringen zu können. Die Antwort ist einfach – Dr. Ehmann war weit mehr als ein Chefarzt, Frauenarzt und Ausbilder. Neben höchsten fachlichen Ansprüchen lebte er auch einen ethischen Anspruch vor. Für ihn als Frauenarzt und Katholik war es oberste Priorität, dem ungeborenen Leben, welches seine Patientinnen in sich trugen oder zu tragen bestimmt waren, mit der höchsten Achtung zu begegnen. Er praktizierte ein Ideal, das ungeborenes Leben in allen Phasen der Existenz, d.h. von der Konzeption an bis zur Geburt, schützte und unterstützte. Dies bedeutete, dass er in all seinem Tun die reproduktive Gesundheit seiner Patientinnen immer berücksichtigte in Beratung, Therapie und konkreter Entscheidung am Krankenbett oder Operationssaal. Somit war es undenkbar, dass er zur Fortpflanzung notwendige Organe ohne medizinischen Grund ihrer Funktion beraubte. Potentiell frühabortive Maßnahmen, die den Embryo in seinen frühesten Entwicklungsstadien beeinträchtigen könnten, wurden von ihm niemals rezeptiert oder angewendet. Eher hätte er sein eigenes Leben gegeben, als dass er das eines ungeborenen Menschen getötet oder dessen Tötung veranlasst hätte. Diese seine konsequente Haltung, die heutzutage etablierte Methoden der Kontrazeption und des Schwangerschaftsabbruches nicht auf seiner Agenda erscheinen ließen, weckte durchaus auch Widerstand. Ohne hart, ungerecht oder emotional zu werden, erklärte und verteidigte er mit durchdachtem und intellektuellem Wesen seine Grundhaltung. Diese basierte nicht auf einer subjektiven Meinung, sondern resultierte aus einer intensiven wissenschaftlichen und religiösen Auseinandersetzung, insbesondere die hormonale Kontrazeption betreffend. Seine Vortragstätigkeit auf bioethischen Kongressen, die Mitgliedschaft in Pro-Life-Organisationen und zahlreiche Buchbeiträge ermöglichten es einem breiten Publikum, seine Schlussfolgerungen nachzuvollziehen und wertzuschätzen. Aus der Sicht angehender Frauenärzte erfuhren wir in seiner Schule, wie man gleichzeitig ein Arzt-Sein auf hohem fachlichem Niveau, in Kollegialität und Patientennähe und eine konsequente ethische Grundhaltung leben kann.

Frau Dr. Adelheid Grüniger war über viele Jahre nicht nur seine Oberärztin, sondern auch seine rechte Hand im Hinblick auf sein großes Lebenswerk. Sie selbst sah ihre Aufgabe als eine „Wegbereitung“ für das ethische Anliegen Dr.Ehmanns an, dessen hohen Anspruch sie uneingeschränkt teilte und unterstützte. Mit ihrem fachlichen Wissen und Können, ihrer Genauigkeit und ihrem Interesse an Personen, Vorgängen und Fachliteratur, arbeitete sie ihm permanent zu. Mit dieser praktischen Unterstützung, durch ihre Herzlichkeit und Wärme und nicht zuletzt durch ihr Gebet trug sie Dr. Ehmann und seine Abteilung über etliche Jahre aktiv und nach ihrem beruflichen Ausscheiden im Jahr 1993 auch im Hintergrund ganz wesentlich mit. Nicht zufällig werden es die zeitlichen Umstände gefügt haben, dass dieser Nachruf, der zunächst nur Dr. Ehmann gewidmet war, nun beide Persönlichkeiten ehren darf.

Mit fortdauerndem Dank und im Namen vieler weiterer KollegInnen

Priv.-Doz. Dr. med. Angela Köninger, Deutschland
Dr. med. Almut Hefter, Deutschland
Dr. med. Irene Hübinger, Liechtenstein
Dr. med. Brigitte Maria Lautenschlager, Schweiz
Priv.-Doz. Dr. med. Peter Kern, Deutschland
Dr. med. Manuel Mariotta, Schweiz
Dr. Fulgence Rubayiza, Ruanda

Kontakt: angela.koeninger@uk-essen.de