von Alexandra Maria Linder

Dieser Text ist kein objektiv geschriebener Artikel. Das geht nicht. Es ist ein subjektiver, persönlicher Nachruf auf jemanden, um den wir gemeinsam mit seiner Frau Barbara und den drei Kindern tief trauern. Wenn ich wir sage, meine ich damit die gesamte deutsche Lebensrechtsbewegung.

Mit Manfred Libner verbindet uns unendlich viel. Vor Jahren standen wir zum Beispiel auf der Kölner Domplatte, um die Öffentlichkeit an „Tim lebt!“ zu erinnern. Diese Kampagne hatte er mit initiiert, als der kleine Tim 1997 abgetrieben wurde, aber nicht sterben wollte, obwohl man ihn stundenlang liegen ließ. Noch heute ist diese Aktion in Verbindung mit den steigenden Spätabtreibungen aktuell. „Stoppt PID und Klonen“ und „Deine Stammzellen heilen“ waren weitere Kampagnen, an denen er federführend mitwirkte.

Wir lernten uns 2001 näher kennen, auf einem internationalen Lebensrechtstreffen in Paris, das zwischen ihm, mir und drei weiteren Personen eine Freundschaft begründete. Da das Kloster, in dem wir wohnten, strenge Regeln hatte, stiegen wir den Montmartre hinunter, um bei gutem Wein anregende Abende zu verbringen und Strategien zu planen. Später zelteten wir samt Familien im Indianertipi und sangen bei leider seltenen privaten Treffen nostalgisch mit Gitarre am Lagerfeuer. Manfred liebte alte Studentenlieder und erschien meist im typischen Trachtenjanker. Auch wenn die Themen, mit denen wir uns beschäftigen, nie spaßig sind, so haben wir doch humorvolle Erinnerungen an Begegnungen, bei denen wir diskutierten und schwadronierten.

Der Marsch für das Leben in Berlin ist ohne Manfred Libner nicht denkbar. Über Jahre hat er ihn mitgeprägt und war beim Bundesverband Lebensrecht im Vorstand aktiv. Die gemeinsame Erfahrung, in der Öffentlichkeit für seine Überzeugung angepöbelt zu werden, er wie immer die Ruhe in Person, schweißte zusammen.

Auch One of us war eine seiner Herzensangelegenheiten; aus einer europäischen Initiative, die 2012 mit einer Unterschriftensammlung begann, entwickelt sich inzwischen auch dank seiner Arbeit ein internationales Zusammenwirken nationaler Vereine.

Sein berufliches Lebensrechts-Zentrum fand Manfred, der in München Politologie, Geschichte und Wirtschaft studiert hat, endgültig in Meschede. 1996 wurde er dort Geschäftsführer der Christdemokraten für das Leben, später ging er in dieser Position zur „Stiftung Ja zum Leben“. Hier konnte er viele Projekte, die ihm wichtig waren, anstoßen und weiterentwickeln, die Förderung von Vereinen unterstützen, die sich um Kinder vor und nach der Geburt kümmern, und Schwangere in Not unbürokratisch und schnell mit finanzieller oder anderer Hilfe versorgen.

Manfred Libner liebte seine Familie und das Lebensrecht und setzte sich unermüdlich und mutig dafür ein. Zuversicht und Warmherzigkeit, gepaart mit Frohsinn, haben ihn und seine Umgebung geprägt. Wir sind ihm sehr dankbar. Im Alter von 60 Jahren ist er am Sonntag gestorben. Ich hoffe, sein aufrechter Glaube hat ihn zum Ziel geführt. Requiescat in pace.